Hildas Buchtipp

Hildas Buchtipp "Das Wesen der Dinge und der Liebe"

{#Buchcover Das Wesen der Dinge und der Liebe}Elisabeth Gilbert, Autorin des Erfolgsromans „Eat, Pray, Love“ schuf mit „Das Wesen der Dinge und der Liebe“ einen majestätischen Roman über das Leben einer Wissenschaftlerin im 19. Jahrhundert. Genauso wie eine große Welle einen Surfer glücklich ans Ufer geleiten lässt, so trägt der Roman den Leser durch die Lebensgeschichte der Alma Whittaker um ihn an das gelungene Ende zu bringen. Das Buch ist pures Lesevergnügen auf 700 Seiten.

 

Alma hat das große Glück, in ein sehr reiches Elternhaus hineingeboren zu sein. Das große Anwesen das sie ihr Zuhause nennt steht in Pennsylvania. Die Annehmlichkeiten des Reichtums, verhelfen ihr zur Bildung und ermöglichen ihr die Erforschung der Pflanzen. Der Reichtum bewahrt sie keinesfalls vor harten Schicksalsschlägen. Manche meistert sie perfekt, an anderen scheitert sie und mit vielen muss sie sich versöhnen. Optimismus, Klugheit, sowie angeborene Intelligenz zeichnen sie aus und ermöglichen es ihr, sich so mancher Situation anzupassen. Sei es, wenn sie jahrelang ihren Vater, einen kampferprobten, erfahrenen, verwegenen, hemdsärmeligen, unsagbar reichen Mann mit rauen Umgangsformen pflegen muss. Sei es, wenn sie damit fertig werden muss, von Männern nie begehrt zu werden. Oder sei es, wenn sie auf Tahiti in einer wilden Zeit mit den Eingeborenen und der Natur im Einklang leben muss. in Holland, wo die Wurzeln ihrer Familie sind, findet sie letztendlich die Wärme und Geborgenheit, die sie sich immer gewünscht hat. Sie erkennt, ihre Forschungen die sie ihr Leben lang betrieb, haben Bestand.

 

Gilbert schafft es in den Roman so viele Höhepunkte hineinzupacken wie eine Ozean Welle Tröpfchen hat. Darin ist wunderbar und wahr der Gedanke enthalten, es gab immer außergewöhnliche Frauen, die große Wissenschaftlerinnen waren.

Hildas Buchtipp "Tief eingeschneit"

{#Hildas Buchtipp Tief eingeschneit}

"Tief eingeschneit“ ist ein Krimi, passend für diese Jahreszeit. Der Winter in Kanada wird darin so naturgetreu und anschaulich beschrieben, es kommt einem vor, als stünde man selbst mitten im Schneegestöber. Man fühlt förmlich die Eiseskälte die dort herrschen kann. Ein schönes Gefühl im warmen Zuhause, im bequemen Lesesessel, den Kanadischen Winter vor dem geistigen Auge Revue passieren und sich dabei von die Krimihandlung fesseln zu lassen.

Louise Penny, geboren 1958 ist eine kanadische Kriminalautorin. In Deutsch sind acht ihrer Romane um den Kommissar Armand Gamache erschienen. „Tief eingeschneit“ ist das zweite Buch aus dieser Reihe. Gamache ist Chef der Mordkommission der Sureté von Québec. Er ist ende fünfzig, ein Liebhaber guten Essens und vom Auftreten her ein wahrer Gentleman. Er besitzt ein Wochenendhäuschen im Dorf Three Pines. In diesem kleinen Ort passiert der Mord an der Frau mit dem Namen CC de Poitiers. Die Ermittlungen zu dem Mordfall entwickeln sich anschaulich, ohne Hetze. Da ist viel Platz für die Beschreibung der charakterstarken Dorfbewohner. Uns begegnen unter anderen die junge Künstlerin Clara, die verbitterte und alt gewordene Dichterin Ruth Zardo, dann die sogenannten drei Grazien: Emilie Longpré, die 90.-jährige Kaye Thompson und die plumpe Beatrice Mayer, die alle nur Mother Bea rufen. Dazu versteht es Kriminalautorin Penny ausgezeichnet, in die Ereignisse im Dorf auch etwas von der Geschichte Kanadas hineinzuweben.  Liest sich der zweite Teil des Krimis relativ selbständig, so ist es empfehlenswert, die Kriminalfälle der Reihe nach zu lesen. Die Bücherei hat alle Bände, die in Deutsch erschienen sind. Leider wurde die Reihe etwas willkürlich übersetzt und es sind paar Lücken entstanden. Wir können nur hoffen, es werden nach und nach alle Fälle übersetzt. Tatsächlich ist die Gamache Reihe eine Bereicherung für die Deutsche Krimiecke.   

Hildas Buchtipp "Heilige und andere Tote"

{#Buchtipp Heilige}Wer es spannend und mystisch mag und mit den Heiligen zurechtkommt, die um die Protagonisten schwadronieren, der liegt mit dem Buch „Heilige und andere Tote“ genau richtig. Ein fantasievoller Roman über eine aufopfernde, kluge, unerschütterliche Sozialarbeiterin die versucht, sich um den Messie artigen, heruntergekommenen Haushalt des verwahrlosten Mr. Cathal Flood zu kümmern. Mr. Flood hat schon viele Sozialarbeiter, Männer wie Frauen in die Flucht geschlagen. Maud Drennan, jedoch ist stark genug, dem grimmigen Hausbewohner zu trotzen. Die Messiegeschichte entwickelt sich mit der Zeit zu einem kleinen Kriminalfall in dem geklärt werden muss, was es mit dem Tod von Miss. Flood auf sich hat, warum Mr. Flood seinen Sohn hasst und noch einige andere Unstimmigkeiten müssen gelöst werden. Mauds Nachbarin Renata, eine leidenschaftliche Hobbydetektivin sowie eine Schar marodierender Heiliger helfen bei der Auflösung des Rätsels

Jess Kidds Schreibstil ist durchtränkt mit schwarzem Humor. Die Personen im Roman sind durchaus skurril und gerade das Bizarre macht sie interessant. Die Magie in der Geschichte ist das Sahnehäubchen des eigensinnigen Krimis.

Jess Kidd, 1973 in London geboren, verbrachte ihre Kindheit in Irland. Die Atmosphäre der Irischen Orte und das Leben dort vermag ihre Vorliebe für Geister und das Übernatürliche beflügelt zu haben.

Anmerkung: Von Jess Kidd ist in der Bücherei auch der Roman

 „Die Ewigkeit in einem Glas“ zur Verfügung. Dieser dann allerdings als „Onleihe“

Hildas Buchtipp "Die Bagage"

{#Buchtipp Bagage}Wer kann es sich vorstellen, der eigene Vater würde nie ein Wort mit einem wechseln, nie. Eigentlich undenkbar, bietet der Alltag doch so viele Möglichkeiten, so viele Gelegenheiten, ja Notwendigkeiten für einen verbalen Austausch untereinander. Und doch ist es passiert. Monika Helfer erzählt uns auf Erlebnisreichen 159 Seiten warum es dazu kommen konnte, dass ihr Großvater an ihre Mutter nie ein Wort gerichtet hat.  Allein die Neugier darüber was passiert ist, verleitet uns zum Lesen dieses Bändchens. Wir werden in eine Bergwelt entführt, wo die Natur rau ist, das Überleben am Rande der Gesellschaft dort noch schwerer war als anderswo. Die Hütte der Moosbrugger lag eine gute Stunde Weg entfernt vom Dorf, tief am Rande des Tals. Dahinter begann der Berg und hüllte die Hütte in den Schatten. Und doch hatte die Familie Moosbrugger etwas, auf das die Dorfbewohner im Tal missgünstig schauten. Maria Moosbrugger war eine Schönheit und Selbstbewusst. Sie konnte nähen, war trotz Armut und Seifenmangel gepflegt, genauso ihr Mann und die fünf Kinder. Dabei waren sie arm, hatten gerade zwei Kühe und eine Ziege. Wir schrieben 1914, erster Weltkrieg ist ausgebrochen, der Josef wurde eingezogen. Maria musste mit den Kindern und den schwierigen Umständen, dem Hunger, dem Mangel allein zurechtkommen. Sie schaffte es auf ihre Art und Weise und trotzte den missgünstigen, eifersüchtigen, neidischen, argwöhnischen und voreingenommenen Dörfern. Sie hielt ihre Familie liebevoll zusammen.

Monika Helfer, 1947 geboren, ist eine österreichische Schriftstellerin aus Vorarlberg. In ihren Büchern beschreibt sie das karge Leben in den Bergen und sie schreibt über ihre Familie.

In der Bücherei stehen weitere Romane  von Monika Helfer zur Verfügung:

„Schau mich an, wenn ich mit dir rede“ sowohl als Buch wie auch Onleihe

„Bevor ich schlafen kann“ als Onleihe

Hildas Buchtipp: Das wirkliche Leben von Adeline Dieudonné

{#20200813 Bearbeitetes Bild}Der kleine Gilles und seine Schwester leben mit ihren Eltern in einer Reihenhaussiedlung. Der Vater, ein gewalttätiger Mann, verbringt seine freie Zeit Whiskey trinkend vor dem Fernseher. Gleichzeitig ist er ein passionierter Jäger, dessen Liebe zur Jagd sich zu einer Obsession entwickelt hat. Die Trophäen bevölkern ein ganzes Zimmer. Darunter befinden sich auch und eine Hyäne und ein Elefantenzahn, die in der Geschichte eine große Rolle spielen. Die Mutter hat dem Vater und seiner Brutalität nichts entgegenzusetzen, sie fügt sich seinen Schlägen. Trotz der Gewalt und der Missstände bewahrt sich Gilles Schwester während der ganzen Zeit des Erwachsenwerdens einen bewundernswerten Optimismus. Sie hat einen unerschütterlichen Glauben an eine gewaltfreie, glückliche Zukunft für sich und ihren geliebten Bruder. Wird sie es schaffen? Der Leser darf gespannt sein.

Mit ihrem Erstling „Das wirkliche Leben“ schuf die 38-jährige belgische Schriftstellerin einen Roman besonderer Art. Es sind schauderhafte Szenen die sich in der Familie abspielen. Doch schafft es Dieudonné mit ihrer wunderbar zarten Sprache beim Leser das Gefühl zu erwecken, eine sanfte Briese umspielt ihn und das Buch. Die Sätze hinterlassen ein Gefühl, zart wie die Landung eines Schmetterlings auf der Haut. Ein wunderbares Kleinod.

Hildas Buchtipp: Der Mönch von Mokka von Dave Eggers

{#20200618}Entdeckt wurde der Kaffee von einem Äthiopischen Schäfer. Beim hüten seiner Schafe beobachtete er, wie seine Tiere quirlig und rastlos wurden, aßen sie von den roten Beeren eines bestimmten Strauches. Und es war Der Mönch von Mokka, der Scheich mit dem klingenden Namen Ali Ibn Omar Alquarashi al-Shadhili, der als Erster Kaffee gebrüht und damit den Kaffeehandel begründet hat. So kam es, dass vom Hafen Mokka der jemenitische Kaffee in die Welt gebracht wurde. Das war der feinste und der ursprünglichste Kaffee. Mit Jahrzenten verbreitete sich der Anbau über die ganze Welt. Brasilien pflanzte die Kaffeesträucher an, in Java wurden sie angebaut, in Arabien und an vielen Orten mehr. Mit der Zeit verlor jemenitischer Kaffee an seiner Qualität und Bedeutung. Die Bauern pflanzten lieber den Eintragssicheren Kath als den an Bedeutung   

In seinem fesselnden Tatsachen-Roman „Der Mönch von Mokka“ erzählt uns der Bestsellerautor Dave Eggers diese Geschichte des Kaffees. Er beschreibt den Lebensweg von Mokhtar Alkhanshali, einem Amerikaner mit Jemenitischen Wurzeln. Mokhtar versucht, den Jemenitischen Kaffee zu seiner Ursprungsqualität zu führen. Auf 378 Seiten folgen wir einer spannenden Geschichte und lernen dabei auch das Land Jemen und seine Menschen kennen.

Hildas Buchtipp: Die Flutwelle von Mikael Niemi

{#Flutwelle}Mikael Niemis Roman aus dem Jahre 2015 kommt daher wie eine Sintflut. 

Als Tatort wählt Niemi das Schwedische Kraftwerk Vietas hoch oben im Norden. Bergige, raue, unwegsame Landschaft gebiert raue Bewohner.  Am Damm und in der nahen Stadt Porjus arbeiten und wohnen der Angestellte Barney Lundmark, zwei Wissenschaftlerinnen, die Mutter einer Teenagerin, ein Ehepaar in Scheidung, deren schwangere Tochter. Eine Gruppe Künstlerinnen hält sich gerade zu der Zeit im nahen Wald auf einem Malkurs, genauso Adolf Pavval, der nur an diesem Wochenende zu „Batterien entladen“, wie er es nennt, aus London in seinen Heimatort kommt.  

Den ganzen Herbst über hat es in der Provinz Norrbotten geregnet. Mittlerweile haben sich in dem Suorva-Speicher unglaubliche Wassermengen gesammelt. Die Katastrophe ist unausweichlich, es komm zum Dammbruch und die Wassermassen begraben die ganze Landschaft unter sich. Jetzt heißt es für jeden einzelnen, sich in Sicherheit zu bringen. Wird es allen gelingen sich rechtzeitig aus der Gefahrenzone zu retten?

Niemi beschreibt präzise und minutiös wie sich in diesen Minuten der Katastrophe jeder der Anwesenden zu retten versucht. Gleichzeitig entwickelt der Roman eine interessante Charakterstudie. Die Geschichte zieht einen gänzlich in seine Bahn. Auf jeder Seite bibbert der Leser um das Leben der Menschen dort oben in den kalten Wasserfluten.  

Hildas Buchtipp: Die Betäubung von Anna Enquist

{#Betäubung}

Die schwedische Schriftstellerin Anna Enquist (geboren 1945) ist vom Beruf her Psychoanalytikerin und Konzertpianistin. Ihre Berufung hingegen fand sie in der Schriftstellerei, der sie sich seit 1991 ausschließlich widmet. In Ihrem Roman „Die Betäubung“ zeichnet sie die Arbeit der Psychologen, der Anästhesisten sowie den Krankenhausalltag auf. Für Medizin- und Psychologie-Interessierten Leser ist das ein erquickender, interessanter, Grenzen öffnender Roman. Im Sog der Geschichte steht eine Familie und deren Probleme. Wie jedes Familienmitglied die eigenen Schwierigkeiten zu lösen vermag, hängt eng zusammen mit dem jeweiligen Beruf.

Vorsicht bei der Wahl dieses Buches ist geboten: Alle Leser, die vor einem Krankenhausaufenthalt stehen und/oder schwache Nerven haben, sollten diese Geschichte meiden. Zu Detail genau beschreibt Enquist die psychischen Krankheiten, Operationen und die Arbeit der Anästhesisten.

Dieses Buch ist in der Bücherei als Buch, sowie als e-Book Download und als e-Audio Download vorhanden.

Weitere Titel von Enquist, die in der Rodenbacher Bücherei vorrätig sind:

„Denn es will Abend werden“ – Das Thema dieses Romanes ist die Frage, wie lebt man mit einer traumatischen Erfahrung  

„Letzte Reise“ – Geschichte über James Cook und seine Frau Elisabeth

„Streichquartett“ – Hier geht es darum, ob die vier befreundeten Musiker mit der Liebe zu Musik auch ihre Probleme lösen können.

Hildas Buchtipp: Herkunft von Sasa Stanisic

{#Stanisic2}Um die deutsche Staatsbürgerschaft zu erlangen, musste der, aus ehemaligem Jugoslawien stammende Autor einen handgeschriebenen Lebenslauf bei der Ausländerbehörde einreichen. „Herkunft“ ist sein Lebenslauf, originell, spannend, humorvoll. „Denke dir das Leben schön“, sagte der Onkel immer zu Saša. Das macht er.

Stanišić macht die Welt schön, für sich und für uns Leser. Beim Lesen merken wir auf jeder Seite, der Autor schreibt und dichtet gerne, er ersinnt Geschichten und bleibt doch bei der Realität. Er geht gekonnt mit der Sprache um und schafft es somit, das Traumatische zu beschreiben und gleichzeitig optimistisch zu stimmen.

Verdient bekam Stanišić zahlreiche Literatur-Preise, 2019 auch den Deutschen Buchpreis. Er lebt in Hamburg. Seit Februar 2020 ist er Poetikdozent an der Hochschule RheinMain in Wiesbaden.




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